Zum Hauptinhalt springen

Schlagwort: Digitalisierung

Wenn KIs lernen – was verlernen wir?

Je digitaler die Arbeitsumgebung wird, desto kostbarer bleibt die Fähigkeit, auf menschlicher Ebene zu kommunizieren und zu kooperieren.

Erst KI, die schreibt. Jetzt KI, die denkt – und lenkt.

Und wer sich heute fragt, wo die eigene Aufgabe, die eigene Expertise bleibt, erkennt schnell: Mit jedem Fortschritt geben wir ein Stück unseres Denkens ab.

Immer deutlicher spüre ich: Die Entwicklung beschleunigt sich, während wir noch versuchen, sie zu verstehen. Automatisierung nimmt uns Arbeit ab – und schleichend auch das Verständnis dafür.

Schritt für Schritt verlernen wir, wie Dinge eigentlich funktionieren. Wissen wandert in Systeme, Know-how wird ausgelagert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir zwar perfekte Prompts schreiben – aber kaum noch nachvollziehen, was sie bewirken.

Die Veränderung rast – und das menschliche Verständnis versucht, Schritt zu halten.

Wie lässt sich Orientierung bewahren, wenn Technologie das Tempo vorgibt?
Wie bleibt ein Team handlungsfähig, wenn Wissen zu Daten wird?
Wie entsteht Vertrauen – dort, wo Maschinen und Systeme mitentscheiden?

Ich erlebe beide Seiten: die kreative Gestaltung und die strukturelle Komplexität. Mich beschäftigt die Frage, wie wir in dieser neuen Partnerschaft zwischen Mensch und KI nicht nur relevant bleiben – sondern bewusst handeln.

Aktuelle Lektüre – „Konzentration” von Volker Kitz

Warum Aufmerksamkeit die heimliche Währung unserer Zeit ist – und wie wir sie zurückerobern.

Volker Kitz ordnet das Thema erfrischend breit: Er zeigt, warum fokussierte Aufmerksamkeit nicht nur Produktivität bringt, sondern überhaupt erst tieferes Denken, Empfinden und Verstehen ermöglicht. Statt schneller Tipps arbeitet das Buch heraus, was Konzentration eigentlich ist – und was sie in einem Alltag voller Reize stabil hält.

Spannend ist der Ausgangspunkt: Kitz startet mit Erfahrungen aus einem Schweigeseminar im Himalaja und entfaltet von dort eine Reise durch Biologie, Psychologie, Philosophie und Kulturgeschichte der Konzentration – inklusive kleiner Übungen, die ohne großen Aufwand in den Alltag passen.  

Formal bleibt das Buch leichtfüßig: Viele Beispiele, Anekdoten und kurze Selbsttests machen die Lektüre zugänglich; historische Rückblicke zeigen, dass die Angst vor „schwindender Konzentration“ älter ist als Social Media. Das ist hilfreicher als moralische Zeigefinger – und motiviert, die eigenen Aufmerksamkeitsgewohnheiten nüchtern zu prüfen. 

Ein schlankes, klar geschriebenes Buch – kein Rezeptblock, sondern eine Linse, die die eigene Arbeitsweise schärft.

Titel: 
Konzentration: Warum sie so wertvoll ist und wie wir sie bewahren

Autor:
Volker Kitz

Verlag:
Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsjahr:
2021

ISBN: 
978‑3‑462‑00103‑7

Genre: 
Sachbuch / Psychologie / Aufmerksamkeit / Kulturgeschichte